„Jannine Koch arbeitet ausgehend von der realistischen Darstellung gleichberechtigt in den Bereichen der Malerei und der Druckgrafik (bes. Tiefdruckverfahren, insbes. Ätz- und Farbradierung in tradierten, technisch komplexen Verfahren). Mit dem Verfahren der Montage, im Besonderen in der Zusammenführung von Strukturen aus Natur und Technik, und der leitmotivischen Verwendung von Architektur-Grundrissen und Stadtplänen wendet sie sich primär der Gefährdung der Erde durch den technologischen Fortschritt und die digitalen Propaganda- und Überwachungsstrategien zu. Sie wird vor allem mit ihrer vorwiegend druckgrafischen Serie der „Kerbtiere“ bekannt, bei der sie surreale Insekten als Zwitterwesen aus den organischen Strukturen echter Insekten und technoiden Konstruktionen in der Aufsicht symmetrisch entwirft und zentriert im Bildformat die Anmutung einer historischen Schausammlung weckt. Neuere Radierungen und Materialdrucke widmen sich der klassischen Musik mit ihren Komponist:innen, ihren Aufführungsorten und ihrer Notation. Die mittel- und großformatigen Malereien (vorwiegend in Öl) hingegen basieren häufig auf medialen Bildern von Kriegsszenarien und auf Aufnahmen der Satellitenüberwachung mit der Aufrasterung als Pixel und mit Zahlencodes, die das permanente digitale Rauschen der Informationsflut widerspiegeln. Chaos und permanente Veränderung werden durch den wolkigen Auftrag von Sprühfarbe und das Fließen von Farbe über dem gegenständlichen Bildgeschehen evoziert. Die davon verschiedenen, seit 2025/26 entstehenden Malereien in Eitempera weisen im mäandernden oder verwachsenden Nebeneinander von Vegetation und technoid konstruktiven Verläufen, architektonischen Elementen und ornamentalen röhrenartigen Verschlingungen auf Deformationen und Mutationen einer Natur, die der Gefährdung hin zur Dystopie ausgesetzt ist.“
Thomas Hirsch
in: Artists of the World, aow.degruyter.com, Frühjahr 2026