jannine koch

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Old school. Druckgraphik

Karin Brosa (*1978 in Tettnang, Baden-Württemberg) und Jannine Koch (*1981 in Cottbus, Brandenburg) lernten sich 2016 in Essen kennen und schätzen. Künstlerisch verbindet sie vor allem ihre Leidenschaft für Radierung, eine Tiefdrucktechnik aus dem 16. Jahrhundert. In der Werkstatt stellen sie nun erstmalig gemeinsam aus.

Radierung: Analog, langsam und old school? Vielleicht auf den ersten Blick. Auf den zweiten werden Sie jedoch feststellen, wie souverän und spannend beide Künstlerinnen die Technik nutzen, um aktuelles Zeitgeschehen kritisch zu hinterfragen und zu kommentieren. Karin Brosa beschäftigt sich in ihren Werken mit der virtuellen Realität und verschiedenen Wirklichkeitsebenen. Aber auch die Auseinandersetzung mit Natur- und Kulturräumen sowie deren Zerstörung ist ein wichtiger Bestandteil ihrer Arbeiten. Jannine Koch hingegen beschäftigt sich vor allem mit den Auswüchsen einer zunehmend von Technik bestimmten und kontrollierten Welt. Hierfür bedient sie sich der faszinierenden Welt der Insekten, welche sie mit kartografischem Material kombiniert und zu Zwitterwesen zwischen Natur und Technik weiterentwickelt. In den aktuellen Radierungen von Karin Brosa ("Controlling") und Jannine Koch ("Im Getriebe") treffen sich beide Künstlerinnen schließlich in der Mitte und greifen darin die spannende Beziehung zwischen Mensch und Maschine auf.

Vernissage: Freitag, 08. Oktober 2021, 19Uhr // Werkstatt, Gelsenkirchen-Buer

09. Oktober - 20. November 2021

 

...forme Menschen nach meinem Bilde...

Die Mythen von der Mensch-Maschine sind so alt wie die Menschheit und sie treiben den Menschen bis heute an. Die Baupläne des Lebens werden verändert, es wird geklont, gekreuzt und sogar schon über die Transplantation von Gehirnen nachgedacht. Vor allem die Robotik löst ethische Diskussionen darüber aus, wie weit der Einsatz von Maschinen gehen darf. Die problematische Ambivalenz der Künstlichen Intelligenz und der Schnittstellen zwischen Mensch und Maschine sind zentrale Aspekte dieses Ausstellungsparts der insgesamt dreiteiligen Ausstellungsreihe COPPELIA.

Vernissage: Donnerstag, 14. Oktober 2021, 16-20Uhr // INSELGALERIE, Berlin

15. Oktober - 20. November 2021

Filmische Dokumentation // Ausstellung STATUS QUO // 2021

Einführung zur Ausstellung

Künstlergespräch

Landkarten, Stadtpläne, Radarbilder und Satellitenfotos üben eine große Faszination auf Jannine Koch aus. Die Draufsicht, der von oben auf die Dinge gerichtete Blick, der Naheliegendes erst sichtbar macht und neue Perspektiven auf Vertrautes ermöglicht, bietet der Künstlerin vielfältige Anknüpfungspunkte für ihre Arbeiten. Versatzstücke aus kartographischen Darstellungen oder Bilder aus dem Bereich der Überwachungstechnologie finden immer wieder Eingang in die Malerei und die Grafik der Absolventin der Leipziger Hochschule für Grafik und Buchkunst.

Im Werk von Jannine Koch stehen Malerei und Druckgrafik gleichberechtigt nebeneinander. Auch wenn es zu thematischen oder formalen Überschneidungen kommt, verfolgt die Künstlerin beide Stränge weitgehend unabhängig voneinander. In den Gemälden stehen vielfach (tages-)politische und gesellschaftsrelevante Themen wie digitale Kriegsführung, Cyber-Spionage oder die Veränderung von Lebensräumen im Vordergrund. In den Bildgrund eingefügte Schriftzüge, Zahlencodes oder Schaltpläne verweisen auf die beständig fortschreitende Technisierung und Digitalisierung unserer Lebenswelt. Die grafischen Arbeiten hingegen tragen ihren Inhalt wesentlich subtiler vor. Mit präzisen Linien und Formen scheint Jannine Koch ihre Umwelt regelrecht zu sezieren. Hierfür kombiniert sie kartographische Elemente mit der faszinierenden Welt der Insekten, woraus die sogenannten „Kerbtiere“ , Zwitterwesen aus Natur und Technik, entstehen. Diese werden wie in der Schauvitrine eines Insektenforschers in Rückenansicht wiedergegeben. Durch den Blick aus der Vogelperspektive deckt Jannine Koch unerwartete formale Analogien zwischen diesen sehr unterschiedlichen Themenfeldern auf.

Der stark segmentierte Körperbau der Panzertiere findet in den Raumfolgen der an einer zentralen Mittelachse gespiegelten Architekturentwürfe eine Entsprechung. Kopfkapseln, Greifwerkzeuge und Chitin-Panzer der Insekten entwickeln sich wie selbstverständlich aus den Planzeichnungen mittelalterlicher Festungsanlagen, barocker Kirchenschiffe oder klassizistischer Herrenhäuser. Während in der reduzierten Farbigkeit der Radierungen die einzelnen Elemente wie in einem biologischen Kompendium scharf umrissen und deutlich voneinander geschieden sind, verschmelzen die Bildebenen auf den Gemälden durch die Leuchtkraft der Eitempera-Malerei zu geheimnisvollen, technoid anmutenden Mischwesen.

Die in der Ausstellung „Status Quo“ versammelten Arbeiten aus unterschiedlichen Werkphasen ermöglichen einen umfassenden Einblick in das Schaffen der letzten Jahre.

Text und Kuratur: Simone Scholten_ Kunsthistorikerin, Essen

28. Mai 2021 - 26. Juni 2021 // Kunstverein Duisburg